Der Spiegel und China

Der Spiegel glänzt heute mit tiefen Einsichten zu China. Natürlich dürfen als Titelbild in der Onlineausgabe ein Haufen Chinesen in Rot nicht fehlen, den richtig, wir erinnern uns, China ist die „Rote Gefahr“ (wahlweise auch Gelb)

Gar verwunderlich wird es dann im Artikel, in dem kurz und bündig die drohenden Gefahren für China selbst, resultierend aus dem eigenen Wachstum, dargestellt werden.

Bereits in der Einleitung heißt es:

Dort (im Osten, d. Verf.) – immerhin – wächst die Gruppe der Superreichen rasant. 2010 stieg die Zahl der Millionäre um 30 Prozent auf fast 500.000 Menschen, statt 79 gab es laut „Forbes“ mindestens 128 Milliardäre. Doch die Mehrheit der Menschen hat nichts davon: Das jährliche Pro-Kopf-Einkommen liegt in China bei rund 3000 Euro – das reicht gerade mal für Platz 99 im weltweiten Vergleich.

„Immerhin“ wächst im Osten die Zahl der Superreichen, wäre es nicht schön wenn das überall so wäre? Es lebe der Turbokapitalismus. Schlichtweg falsch ist dann hingegen die Aussage, dass die Mehrheit der Chinesen nichts vom Wirtschaftswachstum hätte. Beim jährlichen Pro-Kopf-Einkommen vergisst der Spiegel zu erwähnen, dass es im Vergleich zum Vorjahr um 8,19% gewachsen it. Das ist der vierthöchste Zuwachs aller Länder.

Im 3 Teil heisst es „China ist zu abhängig vom Export“. Das ist für den Spiegel durchaus bemerkenswert, hat er uns doch die letzten 10 Jahre Deutschlands Dasein als Exportweltmeister als das Nonplusultra verkauft.

Natürlich stimmt die Einschätzung trotzdem, man kann in Europa gerade wunderbar beobachten wozu extrem unausgeglichene Außenhandelsbilanzen führen. (Ironie der Geschichte, dass China sich dabei nun als Retter präsentiert). China unternimmt deswegen ungewöhnliche Anstrengungen um zum einen den Binnenmarkt anzukurbeln und zum anderen seine Industrie zu diversifizieren.  So weiß auch der Spiegel:

China müsse den Konsum im eigenen Land ankurbeln und innovative Produkte entwickeln – „zum Beispiel im Bereich Biotech, Telekommunikation und Umweltschutz“.

Und ich sage vorraus, dass China in allen drei Bereichen in 20 Jahren weit vor Deutschland liegen wird. Denn natürlich ist sich die chinesische Regierung dessen absolut bewusst, und während in Deutschland Jahr um Jahr weniger Geld in Bildung, Forschung und Innovation investiert wird, so wird es hier Jahr um Jahr mehr.

Im Großen und Ganzen ist der Erkenntnisgewinn des Artikels eher mager, werden auch noch die Immobilienblase die eigtl. keine ist, die unvermeidliche Aufwertung des Yuan und am Ende völlig spekulativ der 2012 anstehenden Wechsel in der Führung der KPCh, angesprochen.

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