Pulau Banyak – einsame Insel par excellence

Nach einer Woche Dschungel im höchst entspannten Bukit Lawang sind wir weiter in Richtung Süden an die Küste gezogen, nach Pulau Banyak, einer Gruppe von ca. 50 Inseln 4 Bootsstunden von der Küste Sumatras bei Singkil entfernt. Der ursprüngliche Plan sah einen Abstecher nach Pulau Weh am nördlichsten Zipfel Sumatras vor, nachdem uns einer der 150 Guides in Bukit Lawang jedoch Bilder von Pulau Banyak gezeigt und uns erzählt hatte, dass es dort nahezu keine Touristen gibt, änderte sich unser Plan.

Pulau Banyak ist im wahrsten Sinne des Wortes ein traumhafter Ort, einziges Manko ist die abartig schlechte Straße, die man überwinden muss, um von Medan nach Singkil zu gelangen, von wo aus das Boot zu den einzelnen Inseln bestiegen werden kann. Unsere Fahrt hat mit kleinen Essens- und Betpausen (eine Mitreisende Muslima wollte einen Stop in einer Moschee einlegen) ungefähr 10 Stunden gedauert, hat sich aber definitiv gelohnt.

Pulau Banyak hatte sich wohl in den 90er Jahren größerer Beliebtheit bei Touristen erfreut, ist aber dann nach den gewaltsamen Unabhängigkeitsbemühungen in Aceh und dem Tsunami zunehmend in Vergessenheit geraten. Da Pulau Banyak aus so vielen Inseln besteht und die meisten davon von einer großen Insel abgeschirmt sind, war die Auswirkung des Tsunamis hier verhältnismäßig gering. Der Captain unserer Bungalowanlage hat uns erzählt, dass es keine wirkliche Welle gab, bei High Tide das Meer aber plötzlich zwei Meter höher war als sonst. Allerdings ist durch den Tsunami und das Erdbeben auf der nahegelegenen Insel Nias bei vielen Inseln die eine Seite ins Meer abgesackt, während auf der anderern Seite der Strand plötzlich höher lag. Bei Singkil lässt sich diese Veränderung ebenso beobachten (Gebäude unter Wasser) wie auf den Inseln, wo an den Stränden noch vielerorts tote Palmen zu sehen sind.

Im Moment finden sich auf zwei der Inseln kleine Dörfer und auf zwei weiteren Inseln kleine Bungalowanlagen für Touristen. Insgesamt ist die touristische Infrastruktur also durchaus eher basic, was eigentlich erstaunlich ist, gibt es doch eine Vielzahl von Aktivitätsmöglichkeiten auf diesen Inseln: auf einer Insel legen die bis zu 700kg schweren Lederschildkröten alljährlich ihre Eier ab, wenn Saison ist, kann man nahe einer anderen Insel surfen, tauchen, schnorcheln, Dschungel-Trekking, … ist alles möglich auf Pulau Banyak. Dazu gibt es nahezu unfassbar schöne Strände, gesäumt mit Palmen, weißem Sand, die schon fast unwirklich aussehen.

Wir hatten in Singkil zufällig einen Typen kennengelernt, der uns eine neue Bungalowanlage empfohlen hatte, die vor kurzem auf Pulau Palambak – der viertgrößten Insel – gebaut wurde – „Lyla Bungalow“. Die Anlage besteht aus vier Bungalows, einem Restaurant, liegt an einem wunderschönen Strand, gehört eigentlich einem Franzosen, wird aber momentan von einem äußerst netten Local mit dem klangvollen deutschen Namen „Erwin“ unterhalten. Außer Erwin und uns beiden war während der Woche auf Palambak eigentlich nur noch der Koch „Sab“, ein Security-Typ, der auf die Anlage aufpasst, wenn keine Gäste da sind und ein Typ, der die Bungalows baut. Wie auch sonst in Indonesien waren die Leute unglaublich nett, offen und lustig.

Besonders beeindruckend fand ich, wie fußballbegeistert die Leute waren, nicht nur der World Cup wurde gespannt verfolgt (Italien, Deutschland und Argentinien schienen besonders beliebt zu sein – „I cried over Italy“), auch über die Bundesliga und andere europäische Ligen wussten die Kerls bestens Bescheid. Einmal wollte Sab – seines Zeichens ausgezeichneter Koch – wissen, wie groß Özil denn nun genau ist (hat dabei immer die Hand über seinen Kopf gehalten und ich sollte stop sagen…), was ich leider nicht en detail beantworten konnte.

Erwin hatte vorher für Australier gearbeitet, die ein Surfcamp auf einer der Inseln unterhalten. Es war ganz interessant zu hören, welche Eindrücke er dort und von den wenigen Besuchern der „Lyla Bungalows“ von Touristen verschiedener Nationalitäten gewonnen hatte. Französische Gäste wurden zumeist als Nörgler empfunden, die nur äußerst schwierig zufriedengestellt werden konnten, die Australier schienen sich besonders durch extremen Bierkonsum auszuzeichnen, deutsche Touristen kamen erstaunlich gut davon (nix hier von wegen Handtuch-Reservierer-Styles), was natürlich auch durchaus daran liegen könnte, dass Erwin uns nicht vor den Kopf stoßen wollte.

Trotz der Vielzahl an Aktivitätsmöglichkeiten haben wir beide die Woche eher gechillt verbracht, viel gebadet, den ein oder anderen kleineren Sonnenbrand eingeholt, Harpunen-Fischen ausgetestet (der Fisch war lecker, wurde dann aber doch von Erwin gefangen) erste Versuche beim Speedboot-Surfen gestartet (bei Tobi waren durchaus Ansätze zu erkennen – siehe Bild, bei mir ging leider außer Rumgekrüppel und krampfhaftem Festhalten der Leine nicht sonderlich viel) und einen Trip mit dem Speedboot zu anderen Inseln gemacht.

Insgesamt war die Woche auf Pulau Banyak genauer gesagt Pulau Palambak ein Träumchen und ich bin durchaus versucht zu sagen, dass eine Rückkehr dahin in nicht allzu ferner Zukunft quasi schon fest steht.

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