The Big Poo Incident

Zur Vorgeschichte:

Nach einem dreiviertel Jahr gemütlichen Zusammenlebens auf 16 qm im Beiwaier International Student Dormitory aka Guojiaolou und dem Ende der Sprachkursphase meines Stipendiums haben Tobi und ich uns nun endlich eine eigene Wohnung gesucht. Unser neues Zuhause liegt in der Nähe des Beijinger Lama-Tempels, mitten in den Hutongs. Die Hutongs sind auf ihre eigene Weise eine Art Altstadt Beijings: Wo ansonsten eher Hochhäuser und Apartment-Blocks das Bild Beijings prägen, gibt es hier kleine, ein- bis zweistöckige Häuser, viele mit traditionellen Elementen verziert, schmale Gassen, viele Bäume und gemütliche Bars und Cafés überall. In einigen Ecken der Hutongs tummeln sich auch bereits die wenigen Hipster, die Beijing bislang so hervorgebracht hat (was vermutlich an der Vielzahl kleiner In-Kneipen und –Shops liegt). Gerade nach einem dreiviertel Jahr 15. Stock im Hochhaus lebt es sich hier sehr, sehr genehm. Nachts ist es extrem ruhig, durch das Fenster kann man Bäume sehn und durch unsere gar fantastische Dachterrasse gibt es auch endlich wieder einen Platz zum gemütlich draußen sitzen, sonnen, grillen usw.

Der Hutong, in dem Tobi und ich leben, heißt Daxing Hutong (大兴胡同) und ist noch nicht ganz von den Hipstern in Beschlag genommen worden (nebenbei bemerkt: vor kurzem habe ich irgendwo gelesen, dass die Hutong Hipsters sich praktischerweise als Hutongsters bezeichnen). Hier wohnen auch viele alte Leute, traditionelle Beijinger und ein paar Familien. Ganz traditionelle, quasi Paradehutongs wie hier gibt es nur noch wenige. In viele der Innenhöfe wurden mit der Zeit kleine Hütten, Hausanbauten und sonstiges  reingesetzt, so dass von oben nur noch ansatzweise zu erkennen ist, dass hier irgendwo mal ein traditioneller Courtyard war. Das Haus in dem wir hier wohnen beispielsweise, ist auch so ein kurioser Anbau: Man sieht, dass es ursprünglich mal ein einstöckiges, quadratmetertechnisch sehr kleines Haus war, auf das dann einfach ein zweiter, größerer Stock obendrüber gesetzt wurde (in dem wir nun wohnen). Der überstehende Teil reicht bis zu einem anderen Haus rüber, unten drunter kann man durchlaufen (wir werden das bald mal fotografisch festhalten).  In diesem schönen zweiten Stock wohnen wir also nun und haben es uns auch gemütlich gemacht.

Soweit zu den Hintergründen.

Am letzten Samstag waren vier unserer Freunde zu Besuch und da, nach überraschend viel Regen in letzter Zeit, richtig genehmes Wetter war, haben wir uns abends mit ein paar Bierchen auf die Dachterrasse gesetzt. So um eins ca. wollten sich dann zwei Leute auf den Heimweg machen. Ich habe die beiden zur Tür begleitet, mich verabschiedet und plötzlich höre ich nur noch: „ihhhh, ihh, boah, was ist das denn??“ Erst habe ich gar nicht genau verstanden, was eigentlich los war und nur gesehen, dass Brian seine Hand geschüttelt hat und offensichtlich irgendetwas mega-eklig fand. Da es des Nächtens nicht besonders hell ist vor unserer Tür habe ich erst dann gesichtet, was der Grund des Ekels war: Um die Klinke außen an der Tür hatte jemand ein Taschentuch gefüllt mit einem ordentlichen Haufen Hundekacke gewickelt (wollen wir einfach annehmen, dass es Hundekacke war). Und in diesen Haufen hatte der gute Brian reingefasst, als der die Tür von außen zumachen wollte. Bei genauerer Betrachtung stellte sich dann heraus, dass der Dreck an der Klinke bei weitem nicht das einzige war: fett über die Holztür, an der Wand gegenüber, auf den Stufen rundrum, überall hatte irgendein jemand Hundekacke verteilt – Richtig ekelhaft! Nach einigen Momenten der Fassungslosigkeit (warum zum Teufel macht jemand so etwas??) haben wir das ganze Szenario mit Tobis Kamera festgehalten und alles sauber gemacht. Der Abend ging danach natürlich nicht ganz so fröhlich weiter wie zuvor.

Am nächsten Tag haben wir unseren Vermieter gebeten mal vorbeizukommen, um ihm von letzter Nacht zu erzählen und herauszufinden, ob er sich erklären kann, was das so sollte. (Da der gute Kerl kein Englisch spricht, wissen wir nun übrigens auch, was Kot auf chinesisch heißt: dàbiàn 大便). Nachdem wir durch Unterstützung der Beweisfotos (bei Interesse bitte melden) klar machen konnten, was passiert war, zeigte sich unser Vermieter zwar sehr irritiert von der Art der Reaktion, schien aber nicht unbedingt grundsätzlich überrascht zu sein. Nach einigen Erklärungen konnten wir herausfinden, dass irgendwo in den Hinterhöfen unseres Hutongs so ein (Zitat) „dicker, traditioneller Chinese“ wohnt, dem wohl öfter etwas nicht passt. Vor uns haben hier zwei Chinesinnen gewohnt und irgendwann mal Fotos auf der Dachterrasse gemacht, woraufhin sich eben erwähnter Chinese groß bei unserem Vermieter beschwerte. Ebenso Anstoß hatte er laut unserem Vermieter wohl daran genommen, dass man aus dem Fenster in unserem Flur in seine Wohnung schauen kann (ich weiß bis heute nicht, welche Wohnung das sein soll, man müsste schon aus dem Fenster klettern, um da irgendetwas sehen zu können). Anscheinend hatte der Typ sich auch schon vorher beschwert, weil wir auf dem Dach waren und ihn ja von da aus beobachten könnten. Wir hatten ja vermutet, dass die Kacke die Antwort auf unsere Lautstärke des Nächstens gewesen wäre (nicht, dass das eine derartige Reaktion erklären würde), aber nach der Erläuterung unseres Vermieters hatte sich das dann ganz so angehört, als ob es nicht in erster Linie darum gehen würde. Vielmehr schien unser Nachbar der Meinung zu sein, eine Horde Ausländer würde sich auch deshalb auf unserem Dach niederlassen, um ihn von diesem Aussichtspunkt aus beobachten zu können. Natürlich.

Unser Vermieter erklärte uns außerdem, dass es sich bei dem Kerl um jemanden handeln würde, der (Zitat) „weder Kultur, noch Recht, noch Politik, noch (dann hat er eine Reihe von anderen Begriffen aufgezählt, von denen ich jeweils nur –wissenschaft verstanden habe) kennt und sich deshalb nicht anders zu helfen weiß, als mit Mitteln eines Baby zu kommunizieren“. Dazu kann ich nur sagen: Sorry, we don´t speak poo.

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